Abenteuer Schwalbenschwanz

Vom Abenteuer der Metamorphose, des Lebenszyklus des Schwalbenschwanzes – also vom Ei zur Raupe bis hin zur Puppe, und schließlich zum Falter, möchten wir euch hier erzählen.

Der Schwalbenschwanz (Papilio machaon) ist wohl einer der schönsten, Tagfalter in unserer Region.
Einst war er sehr häufig anzutreffen, ich selber habe in meinen 50 Erdenjahren jedoch noch nie einen Schwalbenschwanz in der Eifel segeln sehen, obwohl meine Kindheit voll mit bunten Faltern war.
Meine Eltern haben letztes Jahr (erstmals nach 10 Jahren wieder) einen Schwalbenschwanz im Garten gesichtet.
Es bedarf nicht wirklich viel, um den schönen Falter anzulocken und zur Eiablage zu animieren.
Der Schmetterling liebt nektarreiche Blüten, wie etwa Blaukissen, Rotklee, Flockenblumen, oder auch Sommerflieder.
Bevorzugt werden vor allem violette und einheimische Nektarpflanzen.
Zur Eiablage benötigt der Schwalbenschwanz Doldenblütler, wie Wilde Möhre, Pastinak, Fenchel oder Dill, die am besten vereinzelt auf Schotter oder einem warmen Platz stehen.
Nichts leichter als das:
Ich hatte schon im April reichlich Wirtspflanzen in meinem kleinen Naturgarten gepflanzt und seit dem wirklich mehrmals TÄGLICH nach Eiern des hübschen Falters Ausschau gehalten.
Sehr geduldig, aber immer wieder enttäuscht, schaute ich jeden Tag am Fenchel, Dill und an der wilden Möhre nach, bis es am 01. August dann endlich so weit war.
Ich habe 5 kleine gelbe Eier am Fenchel entdeckt-nicht größer als ein Stecknadelkopf!
Juhu! Die schönsten Geschenke der Natur sind oft winzig klein und in unserem Fall hat es ca. einen Durchmesser von 1mm!
Jetzt mussten die Eier nur noch geschützt werden, damit die Raupen nicht zum Vogelfrühstück werden, oder gar vom Parasiten befallen oder von Wespen verspeist werden.
“Abenteuer Schwalbenschwanz“

Bernhard und ich haben aus einem Vogelschutznetz ein Aerarium gebaut, damit die Raupen geschützt schlüpfen und wachsen konnten.
Am 08. August sollte der Schlüpf-Termin sein, und ich hatte glücklicherweise nachmittags frei.
So konnte ich mit Bernhard wunderbar beobachten, wie aus den mittlerweile bräunlichen Eiern jeweils eine winzige Raupe schlüpfte.
Schwarz-weiß, wie ein kleiner Vogelschiss.
Die Raupe verzehrte nach dem Schlüpfen sogleich ihre Eihülle.
“Abenteuer Schwalbenschwanz“
“Abenteuer Schwalbenschwanz“

Mehrmals tägliches Beobachten stand seit dem auf unserem Tagesplan.
Neben 5 Eiern hatten wir noch zwei Raupenfindelkinder und konnten daher bei sieben Raupen deren Entwicklung beobachten.
VON DER RAUPE BIS ZUR PUPPE

Unglaublich, wie schnell die winzigen Raupen wachsen und sich verändern.
Nach ein paar Tagen gesellt sich zur schwarzweißen Zeichnung ein Orange dazu, welches mit jedem Wachstumsschub dominanter wird.
Von schwarz mit grünen Streifen und orangen Punkten bis hin zu leuchtend grün mit orange gesprenkelten schwarzen Streifen sind herrliche Farbkombinationen möglich.
Etwa einmal pro Woche Häuten sich die Raupen und verändern danach dann auch ihr Aussehen.
Während der Häutung verharren die Raupen still und pressen sich langsam aus der alten Haut heraus, die im Anschluss verspeist wird.
“Abenteuer Schwalbenschwanz“

“Abenteuer Schwalbenschwanz“
“Abenteuer Schwalbenschwanz“
“Abenteuer Schwalbenschwanz“
“Abenteuer Schwalbenschwanz“

Fressen ist neben schlafen die Lieblingsbeschäftigung der Raupen.
Trotz ihres immensen Appetits schädigen die Raupen ihre Wirtspflanze jedoch nicht.
Die Pflanze wächst zügig weiter und treibt immer wieder neu aus.
Daher muss man NICHT mit Pflanzenschutzmaßnahmen und Insektiziden gegen die Raupen vorgehen.
“Abenteuer Schwalbenschwanz“

“Abenteuer Schwalbenschwanz“
“Abenteuer Schwalbenschwanz“
“Abenteuer Schwalbenschwanz“
“Abenteuer Schwalbenschwanz“
“Abenteuer Schwalbenschwanz“
“Abenteuer Schwalbenschwanz“
“Abenteuer Schwalbenschwanz“
“Abenteuer Schwalbenschwanz“

Um sich vor Fressfeinden zu schützen, können die Raupen eine sogenannte Nackengabel ausstülpen, die sich zwischen Kopf und Brustbereich befindet.
Diese Nackengabel ist grell gefärbt und soll die Fressfeinde abschrecken.
Außerdem enthält die Nackengabel eine Duftdrüse, durch die die Raupen einen unangenehmen Geruch absondern und dem Feind signalisieren:
„ICH BIN UNGENIESSBAR!“
Kurz vor der Verpuppung sind die Raupen etwa Fingerdick und sehr aktiv.

Die Raupen beginnen mit ausgedehnten Verdauungsspaziergängen und bewegen sich zwei bis drei Tage lang in „rasender Geschwindigkeit“ von ihrer Wirtspflanze fort.
Für unsere Raupen im Aerarium gab es nun nicht so weite Strecken, die sie zurücklegen konnten, dennoch fanden leider 3 Raupen einen Weg in die Freiheit und sind wahrscheinlich sofort als willkommener Vogelsnack angenommen worden.
“Abenteuer Schwalbenschwanz“

Bevor sich die Raupen verpuppen spinnen sie einen Seidenfaden, mit dem sie sich befestigen.
Die Puppen sind sogenannte Gürtelpuppen und hängen dann an geeigneten Stellen.
Beliebte Verpuppungsplätze sind Holzstapel, Steinhaufen oder eine geschützte Wand in der näheren Umgebung.
Selten verpuppen sich die Raupen direkt an der Wirtspflanze.
“Abenteuer Schwalbenschwanz“

Die Raupe, die sich bei uns direkt an der Wirtspflanze verpuppt hat, hat sich leider nur unvollständig verpuppt und wird eingehen.
Zwei Raupen haben sich im Aerarium perfekt verpuppt.
Findelkind- Raupe Nummer 2 machte irgendwie keine Anstalten sich zu Verpuppen, sondern hing nur an ihrem Gürtel und veränderte sich langsam in eine dunkle, trockene Raupe.
“Abenteuer Schwalbenschwanz“

“Abenteuer Schwalbenschwanz“
“Abenteuer Schwalbenschwanz“

Jetzt heißt es den Winter abwarten und hoffen, dass die zwei Puppen sich zu wunderschönen Faltern entfalten. Der farbenprächtige Schwalbenschwanz ist beige-gelb und hat eine deutliche, schwarze Musterung mit zwei großen roten „Augen“ und zwei blauen Flecken am Hinterflügel.
Hier befindet sich auch die schwalbenschwanzartige Verlängerung.
Mit einer Flügelspannweite von 45 bis 75 Millimetern ist der Schwalbenschwanz einer der größten Tagfalter in unserer Gegend.
Zum Balzflug treffen sich die hübschen Falter an erhöhten Stellen, an denen die Männchen im Sturzflug um ihr Weibchen werben.
Man nennt das auch Gipfelbalz oder Hilltopping.
Der Schwalbenschwanz ist ein Segelfalter, er flattert nicht durch die Gegend, sondern gleitet regelrecht segelnd durch die Lüfte.
Dadurch kann das begattete Weibchen weite Strecken zurücklegen, um geeignete Pflanzen zur Eiablage zu finden.
Duftende Doldengewächse sind geeignete Eiablageplätze.
Insgesamt legt ein Weibchen etwa 150 Eier, die meist vereinzelt in Bodennähe an den Blättern der Futterpflanze abgelegt werden.
Hauptflugzeit des Schwalbenschwanzes ist Mai bis Juni, aber man findet auch im August und manchmal auch im September noch Raupen, die dann, genau wie unsere, überwintern werden.
Die Entwicklung vom Ei zur Raupe, bzw zur Puppe ist unglaublich spannend!
Wir hoffen, dass im nächsten Jahr aus unseren Puppen gesunde schöne Schwalbenschwanz-Falter schlüpfen!

Sehenswert, Natur, Naturschutz

Kommentare (2)

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Vielen Dank, Nicky!
Es freut uns, dass dir unser Bericht gefällt!
Herzliche Grüße,
Annette

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wow,was für ein mega interessanter Bericht,toll geschreiben. lg Nicky

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