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Bio Natur Naturschutz Garten

Garten ohne Gift Teil 1

Wer einen Biogarten oder Naturgarten sein Eigen nennt, wird sich an vielen Nützlingen wie Igel, Eidechsen, Blindschleichen, Kröten, Vögeln, Laufkäfern, Schlupfwespen etc. erfreuen.
Aber auch Schädlinge tauchen natürlich im Biogarten auf, und diese können schnell eine Ernte vernichten.
Wie kann man biologisch, ganz ohne Gift gegen diese Schädlinge vorgehen?
Ich habe z.B. Bekanntschaft mit den Raupen der Stachelbeerblattwespe gemacht.
Die Weibchen legen im April/Mai ihre Eier in den frischen Blattaustrieb.
Die kleinen weißen Eier sind sehr unscheinbar und auch die winzigen Raupen fallen anfangs kaum auf.
Sie schlüpfen nach 8-10 Tagen und sind erst noch ganz hell.


Je älter sie werden, bekommen die Raupen eine grüne Farbe mit schwarzen Punkten, sowie feine Borsten.
In diesem Stadium sind die Raupen schon sehr gefräßig und können einen Stachelbeerbusch von innen heraus in 1-2 Tagen komplett kahl fressen.
Im ersten Jahr war meine gesamte Stachelbeer-Ernte hinüber, da mir die Raupen viel zu spät aufgefallen sind.
Fotos habe ich leider keine, da ich zu der Zeit noch nicht ans Bloggen gedacht habe.
Im Folgejahr habe ich dann mit dem Blattaustrieb täglich die Blätter kontrolliert und sofort die Blättchen abgeschnitten, wo ich Eier entdeckt habe.
Natürlich sind auch einige Raupen geschlüpft, da man ja nicht alle Eier entfernen kann.
Die Raupen habe ich dann auch sofort mitsamt des befallenem Blattes abgesammelt.
Das war zwar etwas aufwendig, aber es hat meine Stachelbeerernte gerettet – ganz ohne Gift!
Im Internet findet man noch Tipps, z.B. dass man die Blätter mit Gesteinsmehl einstäuben soll.
Es soll die Raupen am Fressen hindern.

Wermuttee und Rainfarnbrühe können ebenfalls zum Schutz auf die Blätter gesprüht werden:

Wermuttee:

Hierzu nimmt man 30 Gramm Wermut auf 10 Liter kochendes Wasser und lässt diesen Tee 10 Minuten ziehen.
Der Tee wird unverdünnt auf die Blätter gesprüht.
Wermut habe ich übrigens auch unter Johannisbeeren gepflanzt, um einen Blattlausbefall zu verhindern.
Auch Maiglöckchen, Knoblauch und Schafgarbe zwischen die Büsche gepflanzt sollen Schädlinge eindämmen.
Johannisbeeren oder Jostabeeren ähneln der Stachelbeere, also kann es für die Stachelbeere auch von Vorteil sein.
Die Rainfarnbrühe wird aus 500 Gramm Kraut auf 10 Liter Wasser (24 Stunden einweichen lassen) hergestellt.
Vor der Anwendung soll die Brühe 15 Minuten abgekocht werden und durch ein Sieb gefiltert werden.
Im Verhältnis eins zu zwei mit Wasser verdünnt kann die Brühe dann auf die Blätter gespritzt werden.
Regelmäßiges Mulchen mit Brennnessel und Beinwell stärken die Widerstandskraft der Pflanzen gegen Schädlinge.
Ich habe zusätzlich noch Kamille zum Mulchen verwendet.
Einfach die Kräuter klein schneiden und unter der Pflanze auf den Boden streuen.
Ein weiterer kleiner Vielfraß ist der Rapsglanzkäfer.
Nun habe ich keinen Raps im Garten, aber der kleine schwarze Käfer liebt auch andere gelbe Blüten und deren Pollen.

So wurden vor einigen Jahren meine Zucchini vom Rapsglanzkäfer befallen.
Bei Bodentemperaturen von 10 bis 15 Grad beginnt die Flugzeit der schwarzen Käfer.
Er ernährt sich vom Pollen der gelben Blüten.

Wenn z.B. die Zucchiniblüte noch geschlossen ist, zerbeißt er die Blüte um ins Innere zu gelangen und zerstört somit den Fruchtknoten.
Bei geöffneter Blüte habe ich aber auch gesehen, dass die Käfer die gesamte Blüte anknabbern.

Achtung Gift!

In der konventionellen Landwirtschaft wird gegen den Rapsglanzkäfer z.B. Trebon 30 EC eingesetzt.
Das ist ein Gift, das den Wirkstoff Etofenprox enthält.
(287,5 g/l) Das Gift wirkt ebenso auf Fische und Fischnährtiere sowie Kriechtiere.
Es darf nicht in Gewässer oder in die Kanalisation gelangen.
Auch für Bienen ist das Mittel giftig.
So etwas möchte ich natürlich nicht im Garten haben, mal abgesehen davon, dass es eigentlich nur für den beruflichen Anwender zugänglich sein sollte, der im Besitz eines Sachkundenachweises ist, denn das Gift kann bei Verschlucken und Eindringen in die Atemwege tödlich sein.

Außerdem: es

  • verursacht Hautreizungen.
  • verursacht schwere Augenschäden.
  • kann Schläfrigkeit und Benommenheit verursachen.
  • kann Säuglinge über die Muttermilch schädigen.
  • Ist sehr giftig für Wasserorganismen, mit langfristiger Wirkung.
Gefahrenhinweise (EU): Staub/Nebel nicht einatmen.
Berührung während Schwangerschaft und Stillzeit vermeiden.
Augenschutz/Gesichtsschutz tragen.
Erschreckend ist, dass Etofenprox im Handel aber für den normalen Hausgebrauch z.B. als Etofenprox David®Ameisen-frei (Wirkstoff 10 g/kg Etofenprox) erhältlich ist.
Es enthält folgende Warnhinweise:
Von Nahrungsmitteln, Getränken und Futtermitteln fernhalten.
Mittel und dessen Reste sowie entleerte Behälter und Packungen nicht in Gewässer gelangen lassen.
Das Mittel ist giftig für Fische und Fischnährtiere sowie Kriechtiere.
Nicht in Gewässer oder in die Kanalisation gelangen lassen und einen Sicherheitsabstand von ca. 5 m zu Gewässern einhalten.
Schädlich für Wasserorganismen, es kann in Gewässern längerfristig schädliche Wirkungen haben.
Das Mittel ist ebenso giftig für Bienen.

Was habe ich nun gegen die Rapsglanzkäfer gemacht?

Bio macht erfinderisch:

Ihr werdet lachen, ich habe den Zucchiniblüten Frühstücksbeutel übergestülpt und sie damit eingewickelt.
Nur mittags unter Beobachtung wurden die Beutel abgenommen, so dass die Bienen die Blüte bestäuben konnten.
Danach habe ich die Blüten wieder eingewickelt, täglich gelüftet und auf den Fruchtansatz gewartet.
Der Rapsglanzkäfer hatte keine Chance mehr und ich konnte meine Zucchini ernten – ohne Gift!
Ihr seht, ein Bio- oder Natur Garten bedarf auch manchmal Schutz vor hungrigen Käfern und Raupen, aber man kann mit ein bisschen Geduld das gefräßige Übel ganz natürlich und OHNE GIFT in den Griff bekommen.
Viel wichtiger ist es im Naturgarten ein stabiles ökologisches Gleichgewicht herzustellen.
Heimische Hecken aus Wildgehölzen, Totholzhaufen oder Trockenmauern bieten Lebensraum und Nahrungsgrundlagen für eine Vielzahl von nützlichen Tieren, die die Schädlinge in einem natürlichen Maße in Schacht halten.
Die Natur und eure Gesundheit wird es euch danken!
Die Aktion „Blogger für giftfreies Gärtnern“ wurde von Naturgartenideen ins Leben gerufen, damit über Pestizide im Garten mehr diskutiert wird und aufgeklärt wird.
Es werden giftfreie Alternativen auf verschiedenen teilnehmenden Blogs aufgeführt.
Weiter Infos bei Naturgartenideen

Das Logo stammt übrigens von Grafikillustrator Johannes Zahn
(JeyZ-Tattoos)

Wie findet ihr die Aktion „Blogger für giftfreies Gärtnern“?

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Kommentare (8)

  1. Izabella

Ich kann mich Romy da anschließen: Wurmtee, bzw. Bokashi-Saft (stark verdünnt) sind bei Schädlingen sehr unbeliebt! Es bringt sie nicht um, sondern vertreibt sie. Das ist mir sehr wichtig, denn auch die "Schädlinge" sind äußerst wichtig für die...

Ich kann mich Romy da anschließen: Wurmtee, bzw. Bokashi-Saft (stark verdünnt) sind bei Schädlingen sehr unbeliebt! Es bringt sie nicht um, sondern vertreibt sie. Das ist mir sehr wichtig, denn auch die "Schädlinge" sind äußerst wichtig für die Natur!
Ich muss echt den Kopf schütteln, was so alles frei zugänglich ist auf dem Markt! Aber wehe, ich will bei einem Großhändler als Privatperson z.B. eine Schlauch kaufen... VERRÜCKT, ehrlich!
Viele Grüße, Izabella

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  1. Annette    Izabella

Hallo Izabella,
da hast du absolut Recht: Auch "Schädlinge" sind wichtig für die Natur.
Ich glaube, der Mensch ist sowieso der allergrößte Schädling
Mit Wurmtee, bzw. Bokashi-Saft habe ich noch keine Erfahrung, habe aber schon viel Gutes...

Hallo Izabella,
da hast du absolut Recht: Auch "Schädlinge" sind wichtig für die Natur.
Ich glaube, der Mensch ist sowieso der allergrößte Schädling
Mit Wurmtee, bzw. Bokashi-Saft habe ich noch keine Erfahrung, habe aber schon viel Gutes darüber gelesen.

Ich finde es auch erschreckend, dass jede Privatperson mit Gift im Garten um sich streuen und spritzen darf, ist ja schon schlimm genug, dass die Felder verseucht sind damit.

Danke, für deinen Kommentar und herzliche Grüße,
Annette

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  1. Romy Matthias

Wermuttee ist auch in der Heilkunde sehr hilfreich, aber danke für den Tip, dass probiere ich mal aus. LG Romy

  1. Annette    Romy Matthias

Liebe Romy,
ich muss mir noch eine neue Wermutpflanze zulegen für meine neuen Johannisbeersträucher.
Der hilft auch gut gegen Ameisen bzw die Blattlauszucht.
Herzliche Grüße,
Annette

  1. Anja

Sehr schöne Zeichnungen und tolle Tipps.
Liebe Grüße aus dem kleinen Horrorgarten

  1. Annette    Anja

Vielen Dank, Anja!
Wünsche dir viel Spaß im Garten!
Herzliche Grüße,
Annette

  1. Laura

Hallo Annette,

es ist wirklich schön, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst . Die Stachelbeerblattwespe und ihre Raupen kannte ich bisher noch nicht. Die Raupen scheinen ja sehr gefräßig zu sein.
Dass der Rapsglanzkäfer auf Zucchiniblüten...

Hallo Annette,

es ist wirklich schön, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst . Die Stachelbeerblattwespe und ihre Raupen kannte ich bisher noch nicht. Die Raupen scheinen ja sehr gefräßig zu sein.
Dass der Rapsglanzkäfer auf Zucchiniblüten steht, wusste ich bisher auch nicht . Letztes Jahr sind unsere Zucchini überhaupt nicht gut gewachsen. Also die Blüten. Gleichzeitig befand sich etwa 100 Meter von unserem Garten entfernt ein riesiges Rapsfeld. Vielleicht gibt es da irgendeinen Zusammenhang. Ich vermute, in der Nähe eines Rapsfeldes werden sich auch viele dieser Käfer tummeln. Die Jahre zuvor, als Mais auf dem Feld wuchs, hat es eigentlich immer gut funktioniert mit den Zucchini. Da ich die Blüten nicht weiter untersucht habe, ist das natürlich schwer zu beweisen^^. Die Verteidigungsstrategie mit den Frühstücksbeuteln klingt auf jeden Fall sehr interessant aber auch abenteuerlich . Hast du Plastikbeutel verwendet? Wie groß waren die Beutel? Und wie hast du sie an den Blüten befestigt? Mit Schnur? Viele Fragen aber die Abwehrmethode klingt interessant^^ . Ich finde es übrigens toll, dass du trotz zahlreicher Angriffe nicht zum Gift gegriffen hast . Sehr toller lesenswerter Artikel!

Lieben Gruß, Laura

Weiterlesen
  1. Annette    Laura

Hallo Laura,
danke für deinen tollen Kommentar!
Also die Rapsglanzkäfer sind bei uns tatsächlich auch verstärkt aufgetreten, als auf den Feldern nahe beim Garten viel Raps angebaut worden war. Das kann gut sein, dass es damit zusammenhängt.
Ich...

Hallo Laura,
danke für deinen tollen Kommentar!
Also die Rapsglanzkäfer sind bei uns tatsächlich auch verstärkt aufgetreten, als auf den Feldern nahe beim Garten viel Raps angebaut worden war. Das kann gut sein, dass es damit zusammenhängt.
Ich habe Plastik-Frühstückbeutel in gängiger Größe verwenden (weil ich die auch immer für Hundeköttel nehme) und ich habe sie mit Schnur am Zucchini-Stengel befestigt. (Kann man gut etwas fester zubinden.) Man muss aber wirklich jeden Tag lüften, am besten, mittags, wenn auch Bienen unterwegs sind. Sobald sich der Fruchansatz zeigt kann man die Tüten wieder wegnehmen. Bei 2 Pflanzen geht das ganz gut, bei mehreren Pflanzen kann das natürlich in Stress ausarten. Und wenn man eine Blüte den Käfern überlässt, haben die Tierchen ja was zu tun Irgendwann verschwinden die ganz plötzlich auch wieder.
Ob Vögel die Käfer fressen konnte ich leider nicht beobachten.
Ja, und die Stachelbeerblattwespe-Raupen sind schneller als man gucken kann, da achte ich jetzt direkt beim Blattaustrieb immer schon auf die Eier und entferne befallene Blätter. Kann man dann ganz gut in den Griff bekommen.
Die Wespe selbst habe ich auch noch nie bemerkt.
Herzliche Grüße,
Annette

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