Margarethes Wolken

Am 01.09.2019 besuchten wir in der Galerie Eifel Kunst die Lesung der Autorin Maria Josefa Martínez zu ihrem Debütroman „Margarethes Wolken.“


“Margarethes Wolken“
“Margarethes Wolken“

Die Protagonistin Margarethe erlebte vor 80 Jahren am 1. September 1939 den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges.
Er dauerte sechs Jahre und kostete knapp 60 Millionen Menschen das Leben.
Für etwa 25 bis 30 Millionen Menschen bedeutete dieser Krieg auch Flucht und Vertreibung, wie auch für die Margarethe.
Schon während der Lesung, die durch die Jazzpianistin Petra Effern begleitet wurde, liefen die grausamen Ereignisse wie ein Film vor meinen Augen ab und bewegten mich sehr.
Und natürlich wollte ich die ganze Geschichte wissen und habe mir sofort das Buch gekauft.
Daten zum Buch:
  • Titel: Margarethes Wolken – Ein Leben
  • Autorin: Maria Josefa Martinez.
  • Treibgut Verlag, Hardcover, 191 Seiten
  • Erstauflage 2018 (ISBN 978-3-941175-87-7)
“Margarethes Wolken“

Klappentext zu „Margarethes Wolken“
Margarethe, kurz vor ihrem 90. Geburtstag, erinnert sich in langen Gesprächen mit Maria Josefa Martínez an ihr Leben - von der Kindheit in Ostpreußen, über Krieg, Vertreibung und tiefstes Grauen, bis hin zum sibirischen Arbeitslager und die späte Rückkehr nach Deutschland.
"... Sie sah ein Pferd auf sich zu rennen, laut flehend, von den Vorderhufen auf die Hinterhufe im Zickzack springend, den Pferdeschweif um sich schlagend, brennend.
Speichel floss in Fäden aus dem Maul.
Und dann sprang das Pferd ganz nah an Margarethe vorbei.
Sie roch den Angstschweiß und die verbrannten Haare und kurz traf der flehende Pferdeblick auf Margarethes Augen ..."
“Margarethes Wolken“
“Margarethes Wolken“

Über den Inhalt:
Das Buch «Margarethes Wolken» schildert das Schicksal der jungen Margarete die sich als Zeitzeugin des 2. Weltkrieges an ihre Geschichte erinnert.
Margarethes Geschichte beginnt mit den doch sehr glücklichen Kindheitstagen in Ostpreußen, mit Margaretes Träumen bis hin zu den düsteren Vorahnungen der Eltern, die die politische Entwicklung damals sehr realistisch eingeschätzt hatten.
Margarethe war ein Teil der Gemeinschaft des Jungmädelbundes, verstand dessen Hintergrund aber nicht wirklich.
Sie konnte auch nicht verstehen, warum ihre jüdische Freundin mit der Familie nach Amerika auswanderte.
Die wissbegierige Margarethe wollte Lehrerin werden, durfte aber auf Grund der sich anbahnenden Ereignisse nicht am Lehrerseminar in Königsberg teilnehmen.
Sie musste stattdessen auf einem Bauernhof ein Pflichtjahr absolvieren um in der Nähe der Familie bleiben zu können.
Der Familienzusammenhalt war den Eltern zu wichtig, damit man sich nicht verlieren würde.
Trennungen standen allerdings auf der Tagesordnung:
Schon bald verlor Margaretes Schwester ihren Mann, und auch der geliebte Vater wurde in den Volkssturm einberufen.
Alle waren auf Flucht vorbereitet:
Als der donnernde Lärm der Kanonen immer lauter wurde und erste Granaten die Scheune des Bauernhofes trafen, brachen die Flüchtlinge überstürzt auf.
Dabei wurde Margarethe von ihrer Familie getrennt.
Eine schreckliche Zeit voller Entbehrungen begann.
Eisige Kälte und quälender Hunger und die Strapazen der Flucht zehrten die Flüchtlinge aus, und besonders alte Menschen und kleine Kinder starben und wurden im Schnee zurückgelassen.
Angst, Gewalt und Erniedrigungen, schließlich auch mehrfache Vergewaltigungen durch die russischen Soldaten mussten Margarethe und die anderen jungen Frauen ertragen.
Durch Zufall entdeckt Margarethe eines Tages ihre Tante im Gewimmel und beiden gelang es den Flüchtlingstreck zu verlassen und in Margarethes Elternhaus zurück zu kehren.
Die „glückliche“ Wiedervereinigung der immer noch unvollständigen Familie dauerte nicht lange, denn Margarethe wurde in ein Kriegsgefangenenlager deportiert und zur Zwangsarbeit in ein Kohlebergwerk nach Sibirien gebracht.
3 Jahre lebte Margarethe verlaust und hungernd unter widrigsten Verhältnissen mit ungefähr 2000 Gefangenen in diesem Lager.
Margarethe wusste nicht, was aus dem Rest ihrer Familie geworden war.
Im November 1949 konnte Margarethe endlich die Heimreise antreten.
Ihre Mutter war bereits verstorben, aber ihr Vater lebte und erwartete sie in der Eifel.
Nach einer dreiwöchigen Zugfahrt konnte Margarethe endlich ihren geliebten Vater wieder in die Arme schließen.
Die Autorin Maria Josefa Martinez trifft 70 Jahre später Margarethe und arbeitet zwei Jahre mit ihr gemeinsam daran, um diese Geschichte für die Nachwelt als Erinnerung und Warnung festzuhalten.
Der Leser erfährt in einem Interview, dass Margarethe heute eine – wie sie selbst sagt- glückliche Frau ist.

“Margarethes Wolken“
“Margarethes Wolken“

Mein Fazit:
Margarethes Lebensgeschichte bewegt mein Herz und meine Seele.
Die Autorin versteht es in ihrer eigenen Sprache die Ereignisse wie im Film lebendig werden zu lassen.Das Buch habe ich in einem Rutsch durchgelesen und konnte nicht aufhören.
Ich habe mit Margarethe gebangt und geweint und konnte mich in viele Situationen hineinversetzen.
Gemeinschaft und Fürsorge, ein wenig Menschlichkeit unter den Kriegsgefangenen und ein starker Glaube haben wohl dazu beigetragen, dass Margarethe überlebt hat.
Auch einige Russen waren menschlich und haben ihr Möglichstes getan, um irgendwie helfen zu können.
Dass Margarethe während und nach dieser schrecklichen Zeit, nach all dem Grauen, immer noch voller Vertrauen war und heute dankbar und positiv in die Welt blicken kann, ist mir jedoch unbegreiflich.
Kein Hass, keine Verbitterung … das finde ich bewundernswert!
Margarethe im Jahre 2018:

„Heute wenn ich morgens aufwache, aufgescheucht oder ruhig, schaue ich voller Dankbarkeit und Demut aus dem Fenster und beobachte bei jedem Wind und Wetter die Wolken, erfreue mich am Lichtspiel der Natur, höre den Morgengeräuschen dankbar zu – und dann stehe ich wieder auf."
Ein sehr berührendes Buch, welches ich gerne weiter empfehle!

Kunst, Kultur, Buchrezension, Treibgut Verlag, Maria Josefa Martinez

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